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Zotero

Corporation for Digital Scholarship

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Der de-facto-Standard für Literaturverwaltung in der Wissenschaft. Vollständig kostenlos, Open Source und nicht-kommerziell betrieben. Mit Browser-Connector zum Einklick-Speichern von Paper aus PubMed, Google Scholar, arXiv und tausenden Quellen. Generiert Literaturverzeichnisse in über 10.000 Zitierstilen. Version 7.0 (August 2024) bringt eine komplett überarbeitete Oberfläche, integrierten PDF- und EPUB-Reader und native Apple-Silicon-Unterstützung.

Kosten: Software vollständig kostenlos und Open Source (AGPL). Cloud-Speicher: 300 MB kostenlos, 2 GB = 20 USD/Jahr, 6 GB = 60 USD/Jahr, unbegrenzt = 120 USD/Jahr. Institutionelle Lizenzen für Hochschulen und Labore separat. Desktop-App und lokaler Sync (über WebDAV/Drittspeicher) ohne Subscription nutzbar.

Stärken

  • Vollständig kostenlos und Open Source — keine versteckten Funktionen hinter Paywall
  • Browser-Connector für Einklick-Speichern von Papern, Webseiten und PDFs aus tausenden Quellen
  • 10.000+ Zitierstile inkl. aller DFG-, Hochschul- und Fachjournal-Standards
  • Word-, LibreOffice- und Google-Docs-Integration für automatische Zitate
  • Gruppen-Bibliotheken für kollaborative Forschungsprojekte
  • Integrierter PDF-/EPUB-Reader mit Annotations-Funktion (Version 7)
  • Reichhaltiges Plugin-Ökosystem (Better BibTeX, ZotFile, Zotero Connector-Erweiterungen)
  • Non-Profit-Trägerschaft — kein Vendor-Lock-in, kein Verkaufsrisiko

Einschränkungen

  • Kostenloser Cloud-Speicher (300 MB) reicht für PDF-Sammlungen oft nicht aus
  • Mobile App (iOS/Android) im Vergleich zur Desktop-Version weiterhin eingeschränkt
  • KI-Funktionen (Zusammenfassung, semantische Suche) nicht nativ — nur über Plugins
  • Cloud-Sync läuft über US-Server (Corporation for Digital Scholarship)
  • Oberfläche zwar mit Version 7 modernisiert, aber für Erstnutzer noch nicht selbsterklärend

Passt gut zu

Doktoranden und Postdocs mit großen Literatursammlungen Forschungsgruppen, die gemeinsam Literatur verwalten Hochschulen mit DFG-/EU-Förderprojekten Alle, die häufig Zitationen und Literaturverzeichnisse erstellen

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du betreibst regelmäßig wissenschaftliche Recherche oder publizierst
  • Du arbeitest in einer Gruppe an gemeinsamen Literatursammlungen
  • Du willst eine kostenlose, dauerhaft verfügbare Open-Source-Lösung
  • Du brauchst Citation-Plugins für Word, LibreOffice oder Google Docs

Wann nein

  • Du brauchst eine reine Cloud-Lösung ohne Desktop-Installation
  • Du suchst eine KI-First-Plattform mit semantischer Suche als Kernfunktion
  • Du verarbeitest streng vertrauliche Forschungsdaten in der Cloud
  • Du brauchst eine zentral administrierbare Enterprise-Lösung mit SSO

Kurzfazit

Zotero ist seit Jahren der de-facto-Standard für Literaturverwaltung in der Wissenschaft — und mit gutem Grund: vollständig kostenlos, Open Source, von einer Non-Profit-Organisation getragen, und so funktional wie kommerzielle Konkurrenten zum dreistelligen Jahresbeitrag. Die im August 2024 veröffentlichte Version 7.0 hat die Oberfläche grundlegend modernisiert, einen integrierten PDF- und EPUB-Reader eingeführt und Apple-Silicon nativ unterstützt — Schwachpunkte, die Anwender jahrelang erduldet hatten. KI-Funktionen sind allerdings nur über Plugins verfügbar; wer semantische Suche und LLM-Integration als Kernfunktion sucht, wird bei Elicit oder ResearchRabbit fündig. Für klassische Literaturverwaltung ist Zotero trotzdem ohne ernsthafte Alternative.

Für wen ist Zotero?

Doktoranden und Postdocs: Die typische Promotionsphase verarbeitet 500–2.000 Paper. Zotero verwaltet das organisiert, generiert Bibliografien in jedem geforderten Zitierstil (DFG, APA, MLA, Chicago, fachspezifisch) und erlaubt Annotation direkt im integrierten PDF-Reader. Für jeden, der promoviert, ist Zotero faktisch Pflichtwerkzeug.

Forschungsgruppen: Die Gruppen-Bibliotheken sind der Killer-Feature für kollaborative Projekte — alle Mitglieder pflegen denselben Korpus, Annotations und Notizen sind sichtbar, Doppelarbeit wird vermieden. Bei DFG-Projekten mit 5–10 Mitarbeitern über mehrere Jahre amortisiert sich der Wert der gemeinsamen Bibliothek über die gesamte Projektlaufzeit.

Hochschulen und Bibliotheken: Viele deutsche und europäische Hochschulen empfehlen Zotero offiziell, oft mit institutionellen Cloud-Speicherverträgen. Bibliotheken bieten Einführungsschulungen — das senkt die Eintrittshürde für Studierende erheblich.

Wissenschaftliche Schreiber und Journalisten: Wer auch außerhalb von Hochschulen quellenbelegt schreibt (Fachjournalisten, Wissenschaftskommunikatoren, Sachbuchautoren), profitiert von der schnellen Quellverwaltung und automatisierten Endnoten. Der Browser-Connector speichert auch Webseiten und Pressemitteilungen.

Lehrer und Schulkollegien: Für Materialsammlungen, Quellenrecherche zu Unterrichtseinheiten oder Schulbuch-Vergleiche eignet sich Zotero auch im schulischen Kontext — kostenlose Lizenz, einfache Bedienung, deutsche Oberfläche.

Weniger geeignet für: Anwender, die eine reine KI-Recherche-Plattform suchen (Elicit, Semantic Scholar oder ResearchRabbit sind hier besser), Teams ohne Bereitschaft zur Desktop-Installation, Unternehmen mit harten Single-Sign-On- und Enterprise-Management-Anforderungen (für die ist EndNote oder Citavi besser administriebar), und Anwender mit großen PDF-Sammlungen, die keinen externen Cloud-Speicher anbinden wollen.

Preise im Detail

PlanPreisWas du bekommst
Software (Desktop + Mobile + Connector)Kostenlos (AGPL)Vollständige Funktion ohne Einschränkungen; lokale Bibliothek beliebig groß; Plugins aktivierbar
Cloud-Speicher Free0 USD300 MB für PDF- und Datei-Sync zwischen Geräten
Cloud-Speicher 2 GB20 USD/JahrFür moderate PDF-Sammlungen ausreichend
Cloud-Speicher 6 GB60 USD/JahrTypische Promotionsbibliothek mit Volltext-PDFs
Cloud-Speicher Unlimited120 USD/JahrFür große Forschungsgruppen oder umfangreiche Sammlungen
Institutionelle LizenzenAuf AnfragePauschalen für Hochschulen, Labore, Bibliotheken

Einordnung: Die Software selbst ist und bleibt kostenlos — kein „Free-Tier” mit eingeschränkter Funktion, sondern volle Funktionalität ohne Subscription. Bezahlt wird nur Cloud-Speicher, und das auch nur, wenn Du den hauseigenen Sync nutzen willst. Wer auf WebDAV (z. B. NextCloud, Hetzner-Storage, OneDrive über WebDAV-Adapter) ausweicht, sync’t kostenlos beliebig viele Daten. Die Cloud-Pläne finanzieren die Entwicklung der Non-Profit-Organisation — wer Zotero ernsthaft nutzt, sollte mindestens 20 USD/Jahr zahlen, allein um das Projekt zu unterstützen. Für institutionelle Bibliotheken gibt es Pauschallizenzen, die unbegrenzten Speicher für ganze Hochschulen bündeln — viele deutsche Universitäten haben solche Verträge bereits abgeschlossen.

Stärken im Detail

Vollständig kostenlos und Open Source. Im Markt der wissenschaftlichen Tools, in dem EndNote-Einzellizenzen bis zu 300 USD kosten und Citavi-Lizenzen pro Jahr abgerechnet werden, ist die kostenlose Verfügbarkeit von Zotero ein echter Hebel — gerade für Studierende, Promovierende und Hochschulen mit knappen Budgets. Die AGPL-Lizenz garantiert, dass das Tool auch in 10 Jahren noch verfügbar sein wird, unabhängig von kommerziellen Übernahmen.

Browser-Connector als Killer-Feature. Die Chrome-/Firefox-Erweiterung erkennt Paper, Webseiten und PDFs automatisch und speichert sie mit einem Klick in Zotero — inklusive Metadaten (Autor, Jahr, DOI, Abstract) und meist direkt dem Volltext-PDF. Das funktioniert für PubMed, Google Scholar, arXiv, Semantic Scholar, Web of Science, Scopus und tausende andere Quellen. Für regelmäßige Rechercheure ist das der größte Zeitsparer überhaupt.

Word-, LibreOffice- und Google-Docs-Integration. Beim Schreiben werden Zitate per Klick eingefügt, das Literaturverzeichnis am Dokumentende wird automatisch generiert. Zitierstil-Wechsel (z. B. von APA auf Chicago bei Zeitschriftenwechsel) erfolgt in Sekunden für die gesamte Arbeit. Wer einmal manuell ein Literaturverzeichnis getippt hat, weiß, warum dieser Hebel allein den Tool-Wechsel rechtfertigt.

10.000+ Zitierstile inklusive Spezialstilen. Über den Citation Style Language (CSL) Repository sind praktisch alle relevanten Fachzeitschriften- und Hochschulvorgaben verfügbar — DFG, JURA-Standards, fachspezifische Vorgaben in Medizin, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften. Wer einen exotischen Stil braucht, findet ihn meistens; falls nicht, lässt sich CSL anpassen.

Gruppen-Bibliotheken für Kollaboration. Öffentliche und private Gruppen erlauben gemeinsame Bibliotheken — mit Schreib- und Leserechten, Aktivitätsverlauf und geteilten Notizen. Für DFG-Projekte, Seminararbeiten in Kleingruppen oder Promotionskollegs ist das der einzige praktische Weg, eine gemeinsame Wissensbasis zu pflegen.

Integrierter PDF-/EPUB-Reader (Version 7). Mit der Version 7.0 (August 2024) wurde der lang erwartete native PDF-Reader integriert — inklusive Annotation, Highlight-Export in Notizen und EPUB-Unterstützung. Das ersetzt das frühere ZotFile-Plugin und macht den Workflow „Paper finden → annotieren → zitieren” durchgängig in einer App möglich.

Reichhaltiges Plugin-Ökosystem. Better BibTeX (für LaTeX-Workflows), Zotero Connector-Erweiterungen, KI-Plugins wie Aria oder Zotero Beaver bringen LLM-basierte Funktionen nach. Wer einen spezifischen Workflow braucht, findet meist ein Plugin oder kann eines schreiben — die Architektur ist offen.

Non-Profit-Trägerschaft. Zotero wird von der Corporation for Digital Scholarship betrieben, einer wissenschaftlichen Non-Profit-Organisation. Das bedeutet: kein VC-Druck zu Monetarisierung, kein Verkaufsrisiko, keine plötzlichen Preiserhöhungen. Die Speicher-Subscriptions finanzieren Entwicklung und Infrastruktur — ein Modell, das seit fast 20 Jahren stabil funktioniert.

Schwächen ehrlich betrachtet

Kostenloser Cloud-Speicher zu klein. 300 MB reichen für Metadaten und Notizen, aber sobald Du Volltext-PDFs synchronisierst, ist der Speicher in Wochen voll. Wer Zotero ernsthaft nutzt, braucht entweder einen 20-USD-Plan oder muss einen WebDAV-Speicher anbinden. Die Anbindung ist machbar, aber für nicht-technische Nutzer eine Hürde — und das Speicher-Limit fühlt sich für ein „kostenloses Tool” knapp an.

Mobile App bleibt zweitklassig. Die iOS-/Android-Apps haben sich verbessert, sind aber funktional deutlich unter der Desktop-Version. Editieren von Metadaten, komplexe Annotation und Gruppen-Verwaltung sind eingeschränkt. Wer primär mobil arbeitet, kommt nicht weit; Tablet-Nutzung (z. B. iPad mit Apple Pencil zum Annotieren) funktioniert besser als Smartphone.

KI-Funktionen nicht nativ. Während Konkurrenten wie Paperpile, Elicit oder Semantic Scholar mit KI-Zusammenfassungen, semantischer Suche und LLM-basierter Q&A werben, bleibt Zotero auf klassische Funktionen begrenzt. Plugins (Aria, Beaver) bringen ChatGPT-/Claude-Integration nach — aber das ist zusätzlicher Aufwand und nicht so glatt wie native Lösungen. Für eine moderne Forschungsumgebung 2026 ein Versäumnis.

Oberfläche trotz Version-7-Update noch nicht selbsterklärend. Die Modernisierung war ein Schritt nach vorn, aber Erstnutzer sind weiterhin überfordert von Sammlungen, Tags, Notizen, gespeicherten Suchen und Gruppen. Ohne 30-Minuten-Einführung (gerne über Bibliotheks-Schulungen) ist die Lernkurve steiler als nötig. Konkurrenten wie Paperpile (mit reiner Google-Docs-Integration) sind in der ersten Stunde einfacher.

Cloud-Sync über US-Server. Die Sync-Infrastruktur läuft über die Corporation for Digital Scholarship in den USA. Für DSGVO-sensible Forschungsdaten (klinische Studien, vertrauliche Industrieforschung, ethisch sensible Materialien) ist das ein Prüfpunkt. Lokaler Sync über eigene WebDAV-Instanz (NextCloud, Hetzner) löst das, ist aber Konfigurationsaufwand.

Keine Enterprise-Funktionen. Keine zentrale Lizenz-Verwaltung, kein SSO/SAML, keine Audit-Logs für Compliance. Für individuelle Forscher und kleine Gruppen kein Problem, aber für Industrieunternehmen oder Beratungsfirmen mit dezidierten Compliance-Anforderungen weniger geeignet — dort sind RefWorks oder EndNote Enterprise besser administriebar.

Performance bei sehr großen Bibliotheken. Über 20.000 Einträge plus zugehörige PDFs können die SQLite-Datenbank verlangsamen. Suchen werden träger, Bibliotheksöffnung dauert mehrere Sekunden. Workarounds existieren (Aufteilung in mehrere Bibliotheken, regelmäßiges Database-Compacting), sind aber Mehraufwand.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine KI-First-Forschungsplattform mit semantischer Suche willstElicit
Wissenschaftliche Volltext-Suche mit Quelldatenbank brauchstSemantic Scholar
Visualisierung von Zitationsnetzwerken willstConnected Papers
Eine deutsche kommerzielle Lösung mit Enterprise-Support brauchstCitavi
Reine Cloud-Lösung mit Google-Docs-Fokus willstPaperpile (kostenpflichtig, kein eigener Eintrag)

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Mendeley (von Elsevier, früher beliebt, hat über Jahre Marktanteile verloren), EndNote (Industriestandard im US-Wissenschaftsbetrieb, kostenpflichtig), JabRef (Open-Source-Alternative speziell für BibTeX/LaTeX), Paperpile (Google-Docs-natives Tool mit eleganter UI, abopflichtig), ResearchRabbit (visuell-explorative Plattform für verwandte Paper) und Litmaps (ähnlich zu Connected Papers, mit kontinuierlichen Updates). Zotero bleibt im Open-Source-Lager unbesiegt — wer wirklich freie, dauerhafte, datensouveräne Literaturverwaltung will, kommt nicht herum. Wer eine KI-Schicht draufpacken will, kombiniert Zotero mit Elicit oder Semantic Scholar für die Recherche und behält Zotero als Verwaltungs-Hub.

So steigst du ein

Schritt 1: Lade Zotero Desktop von zotero.org/download kostenlos herunter und installiere parallel den Browser-Connector für Chrome oder Firefox. Das ist der eigentliche Gamechanger — ab diesem Moment lassen sich Paper aus Google Scholar, PubMed, arXiv, Scopus und tausenden anderen Quellen per Klick speichern, inklusive Metadaten und oft direkt dem PDF.

Schritt 2: Lege ein kostenloses Zotero-Konto an für den Cloud-Sync zwischen Geräten. Für reine Single-Device-Nutzung optional. Sobald Du in Gruppen arbeitest oder mobil zugreifen willst, ist der Account Pflicht. Wenn Dir 300 MB nicht reichen: 20 USD/Jahr für 2 GB ist ein fairer Preis und unterstützt das Projekt.

Schritt 3: Aktiviere die Word-, LibreOffice- oder Google-Docs-Integration. Zotero installiert das Plugin meist automatisch. Damit lassen sich Zitate per Klick aus der Bibliothek ins laufende Dokument einfügen, das Literaturverzeichnis am Ende wird im gewünschten Zitierstil generiert — und kann auf Knopfdruck umformatiert werden, falls Du den Stil später wechseln musst.

Schritt 4 (optional): Installiere ein KI-Plugin (z. B. Aria oder Zotero Beaver) und verbinde es mit Deinem ChatGPT- oder Claude-Account. Damit kannst Du PDFs zusammenfassen lassen, Q&A zu einzelnen Papern führen und semantische Suchen über die eigene Bibliothek starten. Das ersetzt nicht Elicit oder Semantic Scholar, hebt Zotero aber näher an den modernen Forschungs-Workflow.

Ein konkretes Beispiel

Eine Forschungsgruppe an der Universität Münster mit 8 Mitgliedern arbeitet an einem DFG-Projekt zu KI-gestützter Patientenversorgung. Über drei Jahre wurde eine geteilte Zotero-Gruppen-Bibliothek mit über 3.000 Papern aufgebaut. Jedes Mitglied speichert über den Browser-Connector neue relevante Paper direkt beim Lesen — meist mit Volltext-PDF, das auf einer institutionellen Unlimited-Lizenz der Hochschule liegt (kein Speicher-Limit für die Gruppe). Beim Schreiben gemeinsamer Manuskripte werden Zitate über das Word-Plugin per Klick eingefügt. Beim Zeitschriftenwechsel (von „Nature Medicine” auf „JAMA”) wird das gesamte Literaturverzeichnis in Sekunden in den neuen Stil umformatiert. Jedes Mitglied annotiert PDFs im integrierten Reader; die Highlights sind in der Gruppen-Bibliothek sichtbar und reduzieren Doppellesungen. Zeitersparnis pro Manuskript: 8–12 Stunden gegenüber manueller Literaturverwaltung. Lizenzkosten: 0 EUR (institutionelle Lizenz inkludiert).

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting (Cloud-Sync): USA — Corporation for Digital Scholarship, Fairfax, Virginia. Cloud-Sync ist optional, lokale Installation ohne Cloud-Anbindung jederzeit möglich.
  • Datennutzung: Cloud-Sync speichert ausschließlich Deine eigenen Bibliotheksdaten und PDFs. Keine analytische Auswertung für Drittzwecke, kein Verkauf an Dritte. Datenschutzrichtlinien sind transparent dokumentiert und vergleichsweise restriktiv für ein US-Anbieter.
  • Lokale Nutzung: Bibliothek liegt lokal im Profilverzeichnis (SQLite-Datenbank plus PDF-Storage). Kein Datenfluss zum Hersteller bei deaktiviertem Sync.
  • Alternativ-Sync über WebDAV: Lässt sich auf eigene Server (NextCloud, Hetzner, deutsche Hoster) umlenken — damit liegt der Datenbestand in Deiner gewählten EU-Region.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Für institutionelle Lizenzen verfügbar. Für individuelle Cloud-Speicher-Subscriptions auf Anfrage.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für sensible Industrieforschung lokale Installation mit eigenem WebDAV-Sync (z. B. auf NextCloud in Deutschland). Cloud-Sync der Corporation for Digital Scholarship ist für die meisten akademischen Anwendungen unkritisch, aber bei klinischen Studien oder vertraulicher Auftragsforschung sollte vorab eine Datenschutz-Folgenabschätzung erfolgen.

Gut kombiniert mit

  • Elicit — KI-gestützte Recherche identifiziert relevante Paper, Zotero verwaltet sie langfristig und generiert Zitate. Klassisches Tandem aus Discovery (Elicit) und Verwaltung (Zotero).
  • Semantic Scholar — Volltext-Suchmaschine für wissenschaftliche Quellen, deren Ergebnisse direkt per Browser-Connector in Zotero gespeichert werden können. Ideal für die Erstrecherche zu einem neuen Thema.
  • Obsidian — Wissensmanagement und Notizen über die Bibliothek hinaus. Plugins wie Zotero Integration verbinden Zotero-Einträge mit Markdown-Notizen — der Workflow „Paper lesen → annotieren → in Wissensbasis übernehmen” wird durchgängig.

Unser Testurteil

Zotero verdient 5 von 5 Sternen. Es ist das vielleicht beste Beispiel dafür, wie ein nicht-kommerzielles Open-Source-Projekt in einem etablierten Markt jahrzehntelang die Speerspitze halten kann. Vollständig kostenlos, methodisch ausgereift, mit einer aktiven Community, einer transparenten Trägerschaft und einer Roadmap, die Anwender ernst nimmt (Version 7 hat lang ersehnte Wünsche realisiert). Die einzige berechtigte Schwäche ist die fehlende native KI-Schicht — aber selbst die wird über Plugins zunehmend geschlossen. Für jeden, der wissenschaftlich arbeitet, ist Zotero die erste Wahl. Wer einmal damit produktiv geworden ist, wechselt nicht mehr zurück — und wer aus Mendeley, EndNote oder Citavi kommt, importiert seine Bibliothek typischerweise innerhalb eines Nachmittags und stellt fest, dass auch das hier kostenlos funktioniert, was vorher dreistellig pro Jahr gekostet hat.

Was wir bemerkt haben

  • August 2024 — Zotero 7.0 veröffentlicht. Komplett überarbeitete Oberfläche, integrierter nativer PDF- und EPUB-Reader (vorher nur über ZotFile-Plugin), Apple-Silicon-Unterstützung (Performance-Sprung auf M-Series-Macs). Das war das größte Major-Release seit Jahren und hat viele alte Schwachpunkte beseitigt.
  • 2024–2025 — Wachstum des KI-Plugin-Ökosystems: Aria, Zotero Beaver und weitere Plugins bringen ChatGPT-/Claude-Integration direkt in die Zotero-Oberfläche. Damit holt Zotero die KI-Funktionen nach, die kommerzielle Wettbewerber nativ haben — über die Plugin-Architektur und ohne dass das Hauptprojekt eigene LLM-Verträge unterhalten müsste.
  • 2025 — Mobile Apps (iOS/Android) wurden weiter ausgebaut, bleiben funktional aber unter Desktop. Das ist seit Jahren ein bekannter Schwachpunkt — die Roadmap zeigt langsame Aufholjagd, kein revolutionärer Sprung.
  • Seit Jahren konstant — Cloud-Speicher-Limits unverändert (300 MB free, 2/6/unbegrenzt GB für 20/60/120 USD). Die Preise sind seit langem stabil und finanzieren die Non-Profit-Entwicklung — ein bemerkenswerter Kontrapunkt zu den jährlichen Preiserhöhungen kommerzieller Wettbewerber.
  • 2025/2026 — Mehrere große deutsche Hochschulen (TU München, LMU, Humboldt) haben institutionelle Verträge mit Unlimited-Speicher für ihre Mitglieder. Wer an einer deutschen Universität ist, sollte prüfen, ob die Bibliothek so einen Vertrag hat — oft sind unbegrenzte Cloud-Speicher dann gratis nutzbar.
  • Keine wesentlichen Strategiewechsel — Die Corporation for Digital Scholarship bleibt Non-Profit, die AGPL bleibt unverändert. Anders als bei Mendeley (Elsevier-Übernahme 2013 mit kontroverser Datennutzung) ist Zotero institutionell und juristisch stabil.

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